«The sky is the limit»

Print-Inhalte werden heute meist auch digital publiziert. Leider oft nur als PDF. Wie mit wenig Mehraufwand aus Ihren Beiträgen ein mediengerechtes Magazin wird, erklärt Phil Büchler im Interview.

Head_10Regeln

Phil Büchler, was kann Tablet Publishing, was Print nicht kann?
Multimediale Inhalte wie Videos oder animierte Grafiken zu publizieren, ist ein klarer Mehrwert gegenüber Print. Dadurch werden Inhalte erlebbar, der Unterhaltungs- und Nutzwert von Corporate-Publishing-Angeboten steigt! Nicht zuletzt auch, weil sie miteinander verknüpft werden können. Weiter überzeugt das Tempo, denn Themen können digital schneller umgesetzt werden. Interessant ist zudem die Interaktivität: Dialogfunktionen bieten Unternehmen und Usern zahlreiche Chancen.

Was gilt es speziell zu beachten? Wo liegen die Herausforderungen?
Etwas vom Wichtigsten ist, schon in der Planungsphase zusätzliche Inhalte anzudenken – egal ob Print oder Tablet das Leitmedium ist. Wir empfehlen stets gemischte Teams, damit interdisziplinäres Denken selbstverständlich ist. Aus meiner eher technischen Sicht kann ausserdem eine Vielzahl verschiedener Endgeräte eine komplexe Ausgangslage bilden. Eine optimale Bedienbarkeit sicherzustellen, braucht viel Erfahrung.

«Mit einem Tablet-Magazin werden Geschichten multimedial erlebbar.»

Was glauben Sie, wohin entwickelt sich das Digital Publishing?
Die Zahl der Tablets hat ja in den letzten Jahren stark zugenommen: In der Schweiz besitzt bereits jeder Dritte eines. Das heisst, die mobile Welt wächst. Darum werden «responsive» Weblösungen mit multimedialen Inhalten (z.B. HTML5) an Bedeutung gewinnen und die «native» Apps für redaktionellen Content, wie wir sie heute kennen, langfristig ablösen. Entsprechend wird es neue Formen des Digital Publishing geben. So werden etwa Inhalte kleinteiliger, sprich nur noch in Form von einzelnen Artikeln, konsumiert und immer weniger komplette Ausgaben publiziert.

 
Was sind die Trends, was bringt die Zukunft?
In unserer Branche ist vieles in Bewegung: Content Streams lösen ausgabenbasierte Veröffentlichungen immer mehr ab, Personalisierungen (Filtering usw.) sowie Local Based Content – also Inhalt, der standortabhängig gezielt publiziert und konsumiert wird – nehmen zu. Vor allem aber ist und wird Branded Content bzw. Storytelling zunehmend zum Thema: die Kunst, Informationen unterhaltend zu vermitteln, ohne dass dabei das Unternehmen und seine Produkte im Vordergrund stehen, – statt triviale Werbe- oder PR-Botschaften zu platzieren.

«Branded Content ist modernes Storytelling, die Kunst, unterhaltend zu informieren.»

Wie weit ist es vom online gestellten PDF bis zum responsive Magazin?
Mit einem PDF ist man sehr schnell digital, aber weder mediengerecht noch multimedial. Beim Publizieren auf Tablet mit einem Framework wie z.B. Adobe DPS hat man hingegen die Möglichkeit, das Layout den definierten Endgeräten anzupassen und mit interaktiven Inhalten mediengerecht anzureichern. Für die Umsetzung eines solchen Magazins brauchen wir in der Regel nicht länger als eine Arbeitswoche. Die höchste Stufe ist das individuell gestaltete responsive Magazin. Bei unseren Kunden kommen zurzeit aber meist die genannten Frameworks bzw. Layout-Templates zum Einsatz. Durch diese Standardisierung ist der Aufwand, die Inhalte für diverse Endgeräte zugänglich zu machen, einiges kleiner.

Wie hoch sind die Kosten?
Für ein Tablet-Magazin als Ergänzung zu einem Printprodukt rechnen wir in der Regel mit einem zusätzlichen Aufwand von 10 bis 15 Prozent des Print-Budgets. Beim Tablet Publishing ist es aber ähnlich wie beim Auto: «the sky is the limit». Wir starten bei rund 10’000 Franken. Und dann kommt es auf die Sonderausstattung und die Spezialwünsche an.

Referenzprojekte:
«driven» – das Magazin von maxon motor
«via» – das Kundenmagazin der SBB
«unterwegs» – das Mitarbeitenden-Magazin der SBB

Zur Person: Phil Büchler ist CTO und Project Manager Digital Media bei Infel Corporate Media.