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Content Marketing auf ungewohnten Wegen: Ist der Kunde immer König?

Für den Personalvermittler Careerplus verfasst Infel regelmässig Blogbeiträge zu Rekrutierungs- und Karrierethemen. Doch was passiert eigentlich, wenn sich Kunde und Agentur inhaltlich einmal nicht einig sind?

  • #projekte

Der Auftrag war gefasst: Unser langjähriger Kunde Careerplus wünschte sich einen Blogbeitrag zum Thema Motivationsschreiben. Sollte es ein Listicle sein? Oder doch besser eine Punkt-für-Punkt Anleitung für Stellensuchende? In der Redaktionssitzung zeigte sich rasch: Nicht das Format des Beitrags gab zu reden, es war der Inhalt, der für Gesprächsstoff sorgte. Content Marketing ist nicht nur eine strategische Aufgabe, es geht insbesondere auch um Inhalte und Geschichte.

Wertet das Motivationsschreiben eine Bewerbung auf oder hat es heute längst ausgedient? Über den Nutzen des Begleitbriefs waren wir uns uneinig. Wir diskutierten und debattierten. Auch das ist Content Marketing und gehört zu einer konstruktiven und wertvollen Kundenbeziehung. Unseren Auftraggeber ernst zu nehmen heisst nicht nur, seine Wünsche eins zu eins umzusetzen. Es bedeutet auch, sich mit ihm auszutauschen, ihn zu beraten und am Schluss die beste Lösung zu finden. Bei dem entsprechenden Beitrag entschieden wir uns schliesslich gemeinsam, das Thema kontrovers aufzubereiten:

Was spricht für den Begleitbrief, was dagegen? Raphael Zahnd, Leiter Brand Management & Innovation bei Careerplus, und Claudia Sebald, Leitung Content-Beratung & Redaktion bei Infel AG, haben ihre Gedanken aus dem Redaktionsmeeting in einem spannenden Pro und Contra niedergeschrieben.

Claudia Sebald, Leitung Content-Beratung & Redaktion, Infel AG, Zürich

Für den ersten Bewerbungscheck werden meist maximal fünf Minuten investiert, bevor die Dossiers auf dem A-, B- oder C-Häufchen landen. Das ist bei mir nicht anders. Nach kurzer Prüfung des Lebenslaufs und damit quasi den sachdienlichen Hinweisen zu den Qualifikationen und beruflichen Erfahrungen widme ich die restliche Zeit ganz dem Motivationsschreiben. Die Zeugnisse lasse ich (noch) aussen vor. Von diesen halte ich übrigens nicht allzu viel. Bald jeder schreibt, es sei uncodiert, hält sich aber im Text nach wie vor an die üblichen Codierungen wie «stets», «von allen sehr geschätzt» und – ganz beliebt – «zu unserer vollsten Zufriedenheit». Die Folge: Einheitsbrei und geringe Aussagekraft.

Umso wichtiger ist also das Begleitschreiben. Aus meiner Sicht DIE Chance, seine Motivation glaubhaft, fundiert und auf einzigartige Weise darzulegen. Vor allem aber: persönlich zu werden. Und emotional! Ich möchte spüren, was den Kandidaten ausmacht, warum er genau diesen Job unbedingt will, und ganz sicher keine Allgemeinplätze und Floskeln lesen. Auch Wiederholungen von Berufsstationen aus dem Lebenslauf bringen meist keinen Mehrwert und verlängern das Schreiben unnötig. Lieber und gern unkonventionell sein. Gelingt es dem Bewerber, mein Interesse zu wecken, mich zu überzeugen und neugierig zu machen, hat er die Hürde für die erste Einladung meist geschafft. Natürlich hat das auch damit zu tun, dass wir in der Kommunikationsbranche mit der Sprache arbeiten. Wie kann ich Storytelling verkaufen, wenn ich es selbst nicht lebe?

Fazit: Das Motivationsschreiben ist für mich das persönlichste Papier im ganzen Bewerbungsdossier und damit sehr oft das entscheidende Kriterium, warum ich jemanden einlade – oder nicht.

 

Raphael Zahnd, Leiter Brand Management & Innovation, Careerplus

Der Fachkräftemangel und die zunehmende Digitalisierung verändern den Arbeitsmarkt – und auch den Bewerbungsprozess: Heute bewerben sich Kandidaten spontaner, schneller und mobiler. Oft genügt ein Klick auf einer Karriereseite, eine Verlinkung mit einem Social-Media-Profil oder eine Antwort auf eine Direktansprache. Ein Motivationsschreiben ist hier nicht nur überflüssig, sondern hat auch schlichtweg keinen Platz.

Zudem: Wie oft haben Sie schon ein wirklich gutes Motivationsschreiben gelesen? Ich fast nie. Viele dieser Schreiben wirken bemüht, sehr langfädig oder strotzen vor Eigenlob. Motivation in einem schematisierten Brief glaubhaft zu vermitteln, gelingt den wenigsten Bewerbern. Das zeugt aber nicht automatisch von mangelnder Motivation. Und lässt meiner Meinung nach erst recht keine Rückschlüsse auf die Persönlichkeit zu. Sondern nur darauf, dass eine Person weniger gut Motivationsschreiben verfassen kann. Darum wende ich mich lieber dem Lebenslauf oder dem Social-Media-Profil des Kandidaten zu. Hier erkenne ich sofort, ob die Qualifikationen auf die ausgeschriebene Stelle passen. Die Motivation und die Persönlichkeit des Kandidaten hole ich dann dort ab, wo ich sie nicht aus einem A4-Blatt herausinterpretieren muss: in einem Telefoninterview oder einem strukturierten Erstgespräch.

Fazit: Ich finde Motivationsschreiben nicht mehr zeitgemäss. Die Qualifikation und Motivation eines Bewerbers evaluiere ich viel einfacher und effektiver über den Lebenslauf oder in einem persönlichen Gespräch.

Alle Beiträge unseres Content-Marketing-Auftrages werden jeweils auch auf den  Social Media-Kanälen von Careerplus ausgespielt. Die Kommentare waren hier ebenfalls äusserst kontrovers und vielfältig. Ein Zeichen, dass wir ein brisantes Thema angesprochen hatten. Auf der Webseite von Careerplus gibt es alle zwei Wochen neue Blogbeiträge aus der Job- und Rekrutierungswelt.

 

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